- Avermectine, Umwelt und biologische Tierzucht
- Von Dr. Jacopo Goracci del: 07 Juli 2011
- Kategorie: NEWS
-
-
Vor kurzer Zeit schickte mir Francesca Pisseri, Veterinärmedizinerin mit Spezialisierung auf Homöopathie, Freundin und Gefährtin vieler Abenteuer im Bereich der Tierzucht, einige ihrer (und unserer) Überlegungen über eine Veterinärpraxis, die eine starke Umweltbelastung mit sich bringt und sowohl Nutz- als auch Haustiere beeinflusst, aber bis heute von den meisten verschwiegen wird.
Es ist immer gut zu wissen, aber auch zu hinterfragen, was wir oder die Tierärzte für uns mit unseren Tieren tun.
Der Unterzeichner ist ein überzeugter Verfechter der biologischen Methode sowie Erzeuger und Verbraucher von zertifizierten Lebensmitteln; dies soll mich allerdings nicht davon freistellen, die Schwachpunkte des Systems zu erkennen, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und konstruktive Überlegungen anzuregen, die von leichtfertigem, sterilem Alarmismus weit entfernt sind.
Text von Francesca Pisseri
Synthetische Breitbandpestizide werden Zuchttieren wie Rindern, Schafen und Ziegen, Schweinen und Pferden in vielen Fällen routinemäßig von 2 bis 6 Mal im Jahr verabreicht. Auch beim Hund handelt es sich um eine verbreitete Praxis, um einige parasitäre Infektionskrankheiten (Parasitosen) zu kontrollieren.
Eine viel verwendete Klasse von Medikamenten ist die der Avermectine, Schädlingsbekämpfungsmittel mit sehr breitem Spektrum, die 85 verschiedene Arten von Parasiten an domestizierten Säugetieren, Geflügel, Fischen und Pflanzen töten können.
Die Avermectine, die vor allem mit dem Kot der behandelten Tiere ausgeschieden werden, überdauern lange in der Umwelt: In verschiedenen Experimenten wurden Zeiten von mehreren Wochen bis zu mehreren Monaten festgestellt. Durch ihre lipophile, kaum flüchtige Natur binden sich sie vor allem an den Boden und organische Materie; einige Umstände wie Kälte und Anaerobiose verlängern ihre Bestandsdauer.
Es liegen nur geringe Daten zu ihrer Ökotoxizität und der Dauerhaftigkeit ihrer Metaboliten vor (3 bei Ivermectin).
Sie sind schädlich für zahlreiche Arten von Wirbellosen, die für die Erhaltung und das Gleichgewicht von Ökosystemen sowohl zu Wasser wie auch zu Land sehr wichtig sind, und zwar aus folgenden Ordnungen: Dictyoptera, Anoplura, Homoptera, Thysanoptera, Coleoptera, Siphonaptera, Diptera, Lepidoptera und Hymenoptera, dazu einige Fischarten. Diese Insekten sind wesentlich, weil sie am Zyklus der Nährstoffe teilhaben, zum Erhalt der organischen Substanz des Bodens und damit der Fruchtbarkeit beitragen und außerdem Nahrungsquelle für Wirbeltiere wie Vögel, Amphibien und Säugetiere sind.
Der Kot von Säugetieren, vor allem von Rindern, stellt ein Mikrohabitat für die Entwicklung von zahlreichen Arten von Wirbellosen dar.
Eine breite Verwendung der Avermectine tendiert also zu einer Verringerung der biologischen Vielfalt.
Die Praxis ist, routinemäßig Antiparasitenbehandlungen bei Vieh und beim Pferd durchzuführen, vor allem wenn die Tiere auf der Weide gehalten werden.
In den letzten Jahren fielen immer häufiger Phänomene der Resistenz von Parasiten gegen synthetische Medikamente auf.
Bei der Tierzucht nach biologischen Grundsätzen wird der von den Tieren erzeugte Mist verwendet, um die Felder zu düngen, daher wirkt sich die Verabreichung von ökotoxischen Molekülen, die in die Ausscheidungen der Tiere gelangen, auf die Umwelt aus.
Die alte Verordnung über biologischen Landbau (EWG-Verordnung 2092/91, EG-Verordnung 1804/99) schrieb Grenzen für die Zahl der Antiparasitenbehandlungen vor, ebenso wie für den Typ der Moleküle für diesen Einsatz, die obligatorisch von einem “geringen Umwelteinfluss, einer schnellen Metabolisierung, begrenzten toxischen Auswirkungen und einer Wartezeit unter 10 Tagen” geprägt sein mussten.
Die aktuelle Regelung (EG-Verordnung 889/2008) hebt diese Einschränkungen für den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf; außerdem verhindert die Anwendung dieser Medikamente an einem Tier nicht seine Vermarktung als Bioprodukt.
“Erhält ein Tier oder eine Tiergruppe innerhalb von zwölf Monaten mehr als drei Mal… eine tierärztliche Behandlung mit chemisch-synthetischen allopathischen Tierarzneimitteln oder Antibiotika, wobei Impfungen, Parasitenbehandlungen und obligatorische Tilgungsmaßnahmen ausgenommen sind, so dürfen die betreffenden Tiere und die von ihnen stammenden Erzeugnisse nicht als ökologische/biologische Erzeugnisse verkauft werden, und diese Tiere unterliegen den Umstellungsfristen gemäß Artikel 38 Absatz 1”. Dies ist in der neuen Verordnung zu lesen.
Es gibt viele Praktiken, sowohl medizinischer Art als auch durch die Führung, um Parasitosen in Zuchtbetrieben zu begrenzen, zum Beispiel Rotation und Umschichtung der Weiden, Aufmerksamkeit für die Genetik und die Hygiene in der Zucht, Anwendung von Homöopathie und Phytotherapie.
Die Behandlung mit synthetischen Pharmaprodukten muss gezielt sein und darf nicht routinemäßig erfolgen. Die Zweckmäßigkeit der Antiparasitenbehandlung muss vom Tierarzt im Hinblick auf den Gesundheitszustand der Tiere sowie auf die Qualität und Quantität der vorhandenen Parasiten (quantitative parasitologische Untersuchungen) erwogen werden, und bei einer solchen Maßnahme sind Moleküle mit engerem Spektrum zu verwenden, die weniger ökotoxisch sind als Breitbandprodukte.
In der Natur entwickelt sich ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit, so dass ein geringer Befall der Tiere natürliche Abwehrmechanismen anregt; es kann daher kontraindiziert sein, Tiere, die kontinuierlich einem neuen Befall ausgesetzt sind, wie Weidetiere, einer Behandlung zu unterziehen. Es ist dagegen günstiger, Verwaltungstechniken für die Begrenzung der Parasitenbelastung auf den Weiden und medizinische Praktiken einzuführen, welche die natürlichen Abwehrkräfte der Tiere stärken. Wie aus verschiedenen Studien hervorgeht, können homöopathische Behandlungen eine Begrenzung der Parasitenbelastung unter der Risikogrenze sowohl für die Zucht als auch für die Gesundheit fördern.
Dr. Jacopo Goracci

Italia
UK
France
Deutschland
Nederland
Czeck
Hong Kong
United States



Facebook
Twitter
Rss