- Nicht die Gurke ist der Killer!
- Von Almo Nature del: 22 Juni 2011
- Kategorie: NEWS
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In Anknüpfung an den früheren Artikel “…erzeugt Milch denn Fleisch?” lässt sich feststellen, dass die Realität in Landwirtschaft und Tierzucht bei den Verbrauchern wirklich noch wenig bekannt ist. Diese sollten versuchen, jeden einzelnen Einkauf als eine wahre “politische Handlung” zu sehen, wie Carlo Petrini (Gründer der internationalen Slow Food Bewegung, AdR) seit langem vorschlägt.
Die Entscheidung für eine Ware ist mit zahlreichen Aktionen und Reaktionen verbunden, sie man besser absehen und vorhersehen sollte.
Ein Beispiel sind die Ereignisse, als das Bakterium E. Coli in Deutschland in spanischen Gurken mit Biozertifikat isoliert wurde: Hat der erste Journalist, der mit dem Finger auf den biologischen Anbau zeigte und ihn als nicht sicher verleumdete, dabei an die Millionen Euro Schäden für Bauern und Erzeuger gedacht, die diese Einstellung, die sich dann als oberflächlich herausstellte, nach sich ziehen würde?
Offensichtlich nicht.
Es ist wahr: E. Coli lebt normalerweise im tierischen Darm und gerade der Dünger, ein unerlässliches Element in der biologischen Landwirtschaft, kann bei einer nicht angemessen ausgereiften Verwendung die Infektion übertragen.
Ebenso unbestritten ist allerdings, dass die späteren Analysen an den beschuldigten Biogurken zwar das Vorhandensein des Bakteriums bestätigten, es sich aber nicht um den gleichen Typ handelte, der die 22 Toten verursacht hatte.
Diese Erkenntnis konnte zwar die spanischen Gurken und die biologische Anbaumethode entlasten, aber de fakto nicht den Preiseinbruch aufhalten.
Kein Journalist hat jedoch auf die Tatsache hingewiesen, dass Kolonien von E. Coli üblicherweise in den Labors beim Klonen von DNA-Fragmenten verwendet werden, die in genveränderten Pflanzen eingesetzt werden sollen. E. Coli wird gerade deshalb verwendet, weil sich die Stämme sehr schnell entwickeln, gleichzeitig sind sie aber auch unvorhersehbar wegen Mutation oder genetische Übertragung auf andere Bakterien.
Wäre es also möglich, dass eine mutierte Form von E. Coli, die im Produktionsprozess einer GVO-Pflanze entstand, überdauern kann, bis das Produkt auf den Markt kommt?
Es gibt zu viele Zweifel, um sicher und entschlossen Anklage zu erheben.
Könnte nicht die Quelle dagegen auch gerade in der intensiven Viehzucht liegen, in der antibiotikaresistente Bakterienstämme infolge der exzessiven Verwendung von Antibiotika selektioniert werden?
In diesen Betrieben wird Dünger in der Tat nur als unvermeidlicher, störender Produktionsausschuss und nicht, wie in der biologischen Landwirtschaft, als wertvolles Gut betrachtet. So wird eben nicht seine optimale Reifung angestrebt, sondern eine rasche, häufig nachlässige Verteilung von Dünger (fester Anteil) und Jauche (flüssiger Anteil), was potentiell verheerende Auswirkungen sowohl für den Wasserkreislauf als auch für das Grundwasser hat.
Auch in diesem Fall herrscht der Zweifel vor.
Kommen wir schließlich zur letzten Anklage, der gegen Sojasprossen: Auch in diesem Fall sollte präzisiert werden, dass diese (Mungbohne oder Vigna radiata) nicht mit dem eigentlichen Soja zu tun haben (Glycine max): Warum veröffentlichen also maßgebliche Tageszeitungen Titel wie: “Killer-Bakterium? Soja verantwortlich”?!?
Die Fehlinformation greift um sich.Außerdem wird für den Anbau von Sojasprossen keine Erde und noch weniger Dünger verwendet, sondern nur Wasser. Und hier kommen wir auf die vorher genannte Wasserverschmutzung zurück.
Abschließend kann man sagen: Da der Schuldige noch nicht gefunden wurde und die empfindlichen Marktdynamiken bekannt sind, wäre es gut, einerseits keinen billigen, dummen Alarmismus auszulösen, andererseits sollte jeder von uns versuchen, Zugang zu möglichst umfassender, ausführlicher Information zu erhalten, bevor man seine Entscheidungen, welcher Art auch immer, trifft.
Dr. Jacopo Goracci

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