- Viel Mühe um Nichts!
- Von Dr. Jacopo Goracci del: 13 Juli 2011
- Kategorie: NEWS
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Eine Entscheidung zu treffen, bedeutet obligatorisch, auf die Option zugunsten einer anderen Entscheidung zu verzichten.
Dieser mentale Prozess leitet die Menschen, die beschließen, sich dem Universum – denn das ist es – der biologischen Landwirtschaft und Viehzucht zuzuwenden.
Die biologische Bewirtschaftung eines Gebiets ist nämlich nichts anderes als die Entwicklung eines Bewusstseins für das gesamte landwirtschaftliche Ökosystem (oder Agrarökosystem) und die Förderung der biologischen, also der pflanzlichen und tierischen Vielfalt. Das bedeutet natürlich, auf den Einsatz von synthetischen Produkten und von genetisch veränderten Organismen zu verzichten.
Aber den Regelungen (EG-Verordnung 834/07, EG-Durchführungsverordnung 889/08 und in Italien Ministerialerlass 220/95) – die natürlich bestehen und eingehalten werden müssen – liegt eine Philosophie zugrunde, die weit über die Notwendigkeit hinausgeht, Produkte ohne Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder chemischem, synthetischem Dünger anzubieten: Sie strebt den Respekt vor der Erde an und will wieder ein nachhaltiges Lebensmodell (kein Entwicklungsmodell) aufbauen, indem die verschiedenen Qualitäten und damit die Potentiale, die jede lokale Gemeinschaft hat, valorisiert werden.
Dieses Modell ist global, d.h. es muss alle Produktionsfaktoren und die gesamte Lebensmittelkette einbeziehen, damit es glaubwürdig ist und diese Ethik, für die es aufgebaut wurde, aufrecht erhält.
Dies ist aber heute nicht der Fall, diese Entscheidung wird heute zu häufig nur zur Hälfte umgesetzt. Der Biosektor lebt in einer Aura guter Absichten, die allerdings von Ignoranz und schlechten Gewohnheiten durchdrungen sind.
Ich frage mich zum Beispiel: Sollte man sich freuen, wenn man, wie in diesen Tagen geschehen, liest, dass in Italien 2010 der Umsatz der Unternehmensgruppe Ecor-NaturaSì, Marktführer im Vertrieb biologischer Produkte, um 16% gestiegen ist?
Denken wir einmal nach: Dies ist mag ein Beispiel für die angeblich größere Aufmerksamkeit für die Gesundheit und den Umweltschutz sein, aber es ist auch ein Beweis für den gravierenden Mangel an Bewusstsein und Information beim Verbraucher.
Denn ich frage mich: Welchen Sinn hat es, in Deutschland biologisches Fleisch zu verzehren, das in Italien oder Frankreich ausgewählt und verpackt wurde, wenn man dabei etwas für den Umweltschutz tun will?
Tatsächlich ist das wenig sinnvoll.
Die holländischen Forscher Lucas Reijnders und Sam Soret haben nämlich nachgewiesen, dass Verpackung, Kühlung und Transport biologischer Lebensmittel den „Umweltvorteil“ durch die ökologisch nachhaltigen Produktionstechniken „zunichte machen können“ (Quantification of the environmental impact of different dietary protein choices, American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 78, Nr. 3, 664S-668S, September 2003). Denn die Produktion von einem Kilo Fleisch wirkt sich doppelt so stark auf die Umwelt aus wie die Produktion eines Kilos Gemüse, doch wird dieser Wert durch die Kühlung oder schlimmer noch das Tiefgefrieren dieses Gemüses und den Transport bei durchgehender Kühlkette vollständig umgekehrt. Die Produktion des gleichen Kilos Fleisch in einer lokalen biologischen Zucht beeinflusst die Umwelt also nur halb so stark wie ein aus einem anderen Land importiertes Gemüse.
Es ist daher zwar richtig, zertifizierte biologische Lebensmittel zu kaufen, sie sollten aber auch lokal sein und aus einer kurzen Kette kommen, wenn wir, wie oben angedeutet, das Agrarökosystem in seiner Gesamtheit schützen wollen.
Wenn die Logik des Großvertriebs jeden Produktionsbereich durchdringt, entstellt sie dessen Werte vollständig, denn alles reduziert sich auf die sterile Anwendung einer Regelung. Dies ist denkbar weit entfernt von den Grundlagen, die Rudolf Steiner in den 20er Jahren legte.
Dr. Jacopo Goracci

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